Fantasyfilme waren schon immer Teil der Filmlandschaft. Doch mit der Perfektionierung der Spezialeffekte durch die Comptertechnologie konnten nun immer wie perfektere Welten kreiert werden. In den 2000er Jahren schliesslich war der Fantasyfilm nicht mehr zu bremsen. Es war Zeit für "Herr der Ringe", "Harry Potter" und vieles mehr...
Mit dem Durchbruch der Computertechnologie wurde Ende des Jahrtausends eine entscheidende Hürde zur Realisierung von tricktechnisch auwändigen Filmen genommen. Vieles, was als unverfilmbar galt, rückte nun in greifbare Nähe. Projekte, die vorher undenkbar waren, waren nun plötzlich finanzierbar.
Eines dieser Projekte war die Realverfilmung von J.R.R. Tolkiens epischem Fantasywerk "Der Herr der Ringe" (Erscheinungsdatum: 1954-1955). Dieses galt lange als unverfilmbar. Und dies nicht nur in kommerzieller Hinsicht. Der inhaltliche Reichtum und die Komplexität der Romane stellte hohe Anforderungen an die kreative Umsetzung.
Das aufstrebende Independent-Studio New Line Cinema liess sich davon jedoch nicht abschrecken und leitete Mitte der 1990er Jahre das Projekt ein. Für die Realisierung engagierte es überraschend den damals noch unbekannten Neuseeländer Peter Jackson. Dieser fiel zuvor lediglich mit kleinen Filmen wie z.B. "Braindead" (1992), "The Frighteners" (1995) und "Heavenly Creatures" (1994) auf. Dem Blockbuster-Publikum war er jedoch unbekannt.
New Line Cinema setzte aber grosses Vertrauen in den jungen Filmemacher und stellte ihm die damalige Rekordsumme von 300 Mio. $ zur Verfügung. Damit sollte er insgesamt drei Filme drehen. Jackson machte sich umgehend an die Arbeiten und schrieb in Zusammenarbeit mit seiner Frau Fran Walsh sowie Christian Rivers und Philippa Boyens das Drehbuch.
Für die eigentlichen Dreharbeiten hatte er schliesslich über ein Jahr Zeit und durfte gar auf seiner Heimatinsel Neuseeland drehen. Zeitweise waren über 3'000 Personen an der Produktion beteiligt und insgesamt war Jackson rund sieben Jahre mit dem gigantischen Projekt beschäftigt.
Der Aufwand sollte sich lohnen: Als Herr der Ringe: Die Gefährten im Dezember 2001 in die Kinos kam glich er einer Sensation: Die Fans jubelten, die Kritiker zeigten sich euphorisch und die Kinokassen klingelten. Weltweit spielte der erste Teil 881 Mio. $ ein und lockte allein in Deutschland sage und schreibe 11,83 Millionen Besucher in die Kinos. Nebenbei wurde er für 13 Oscars nominiert und gewann insgesamt vier (Kamera, Make-up, Filmmusik, Spezialeffekte). Ein beispielloser Triumph.
Der Fantasyboom wurde aber im Kino bereits kurz zuvor befeuert. "Harry Potter und der Stein der Weisen" hatte nur knapp einen Monat vor Peter Jacksons "Herr der Ringe"-Erstling seine glorreiche US-Premiere. Allein am Premierenwochende spielte er dort 90,2 Mio. $ ein und stellte damit den Rekord von "Vergessene Welt: Jurassic Park" (1997) ein.
Der von Chris Columbus ("Kevin - Allein zu Haus", 1990, Mrs. Doubtfire, 1994) inszenierte Streifen erzählt dabei vom jungen Zauberlehrling Harry Potter, der auf der Zauberschule Hogwarts neue Freunde kennenlernt und einem finsteren Zauberer die Stirn bietet.
Erfunden wurde der mittlerweile legendäre Harry Potter von der britischen Schriftstellerin J.K. Rowling. Ihre sieben Bände umfassenden Romane über den jungen Zauberlehrling wurden innert kürzester Zeit zu riesigen Bestsellern und vermochten sowohl Kinder als auch Erwachsene zu begeistern. Harry Potter wurde in Windeseile zu einer der berühmtetsten und beliebtesten Romanfigur aller Zeiten.
Dieser Riesenerfolg rief natürlich schell die Filmstudios auf den Plan und so kaufte Warner Bros. schliesslich die Filmrechte am ersten Band für eine Million Pfund (rund 1,65 Mio. $). Genau wie "Herr der Ringe", war jedoch auch Harry Potter in den Köpfen der Produzenten von Anfang an als Filmreihe angelegt. Warner Bros. nahm sich dabei einiges vor und wollte alle Bände innerhalb weniger Jahre mit denselben Darstellern verwirklichen.
Dieses Vorhaben erwies sich als äusserst ambitioniert, ging am Ende jedoch auf. 2011 kam mit "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 2" der abschliessende Teil einer acht Filme umfassenden Reihe in die Kinos. Insgesamt spielten diese welweit über 7,7 Milliarden $ in den Kinos ein und sorgten nebenbei für einen beispiellosen "Harry Potter"- und Fantasyboom.
Die Filme waren aber nicht nur ein Garant für volle Kinokassen sondern auch für qualitativ hochstehendes Fantasykino. Denn kein einziger der acht "Harry Potter"-Filme fiel bei den Kritikern durch. Mit einem Metascore von 85/100 war der letzte Teil der Reihe gar einer der am besten rezensierten Filme des Jahres 2011. Der am "schlechtesten" rezensierte Teil war "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" (2002), der aber mit einem Metascore von 63/100 immer noch überwiegend positive Kritiken hatte.
Dieser beachtliche künstlerische Erfolg hatte die "Harry Potter"-Reihe mit Peter Jacksons fulminanter "Herr der Ringe"-Trilogie gemeinsam. Auch bei dieser Trilogie fiel kein einziger Film bei der Kritik durch. Und auch bei "Herr der Ringe" erwies sich der letzte Teil mit einem hervorragenden Metascore von 94/100 nicht nur als der am besten rezensierte Teil der Reihe sondern auch als einer der am besten rezensierten Filme seines Jahrgangs (2003).
Der letzte Teil der "Herr der Ringe"-Reihe schaffte ausserdem das Unmögliche: Erstmals in der Geschichte des Kinos wurde ein Fantasyfilm als Bester Film mit dem Oscar ausgezeichnet. Nebenbei konnte Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs (2003) das Kunststück vollbringen, in jeder der nominierten Kategorien zu gewinnen. Insgesamt kamen so elf Trophäen zusammen womit das Meisterwerk mit Ben Hur (1959) und Titanic (1997) gleichzog.
Beflügelt durch den enormen künstlerischen und kommerziellen Erfolg von der "Herr der Ringe" und "Harry Potter" begaben sich die Filmstudios auf die Suche nach weiteren literarischen Fantasyabenteuern welche das Potenzial einer Blockbuster-Filmreihe versprachen.
Fündig wurden sie u.a. bei C.S. Lewis ("Die Chroniken von Narnia"), Philip Pullmann ("Der goldene Kompass"), Daniel Handler ("Lemony Snicket - Rätselhafte Ereignisse") und Christopher Paolini ("Eragon"). Doch einzig die Umsetzung von C.S. Lewis Kinderfantasyroman, "Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia" (2005), erwies sich mit einem weltweiten Box-Office von 745 Mio. $ als erfolgreich genug, um die Verfilmung weiterer Bände zu rechtfertigen.
Diese folgten 2008 und 2010 unter den Titeln "Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia" und "Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte". Beide Streifen spielten zusammen weltweit 835 Mio. $ ein, was bei Produktionskosten von insgesamt 380 Mio. $ aber zu wenig war, um genügend Gewinn abzuwerfen. Weitere Teile wurden deshalb nicht umgesetzt.
Neben Hogwarts, Mittelerde und Narnia gab es weitere Zauberwelten die filmisch zum Leben erweckt wurden. So setzte das "Herr der Ringe"-Studio New Line Cinema viel Hoffnung in die Umsetzung von Philip Pullmans Fantasyroman "Der goldene Kompass" und machte dafür 150 Mio. $ locker.
Das Ergebnis war jedoch eine herbe Enttäuschung und insbesondere auf dem so wichtigen US-Markt blieb der 2007 erschienene Streifen weit hinter den Erwartungen zurück. Dort spielte er lediglich 70 Mio. $ ein. Nur dank der guten internationalen Einspielergebnisse von 302 Mio. $ kam New Line Cinema mit einem blauen Auge davon. Schnurstraks zog das Studio die Reissleine und die geplanten Fortsetzungen wurden zum Leidwesen der Fantasyfans gestoppt.
Ähnliches widerfuhr auch der 20th Century Fox, die mit "Eragon" ein Jahr zuvor die Drachen im Kino etablieren wollten. Die Romanvorlage lieferte Christopher Paolini und das Projekt klang vielversprechend. Doch trotz einem Etat von 100 Mio. $ konnte der Streifen am Ende nicht so recht überzeugen und blieb insbesondere auf dem heimischen US-Markt mit einem Box-Office von 75 Mio. $ hinter den Erwartungen zurück.
Doch wie bei "Der goldene Kompass" wurde auch dank der soliden internationalen Einspielergebnisse eine Totalpleite verhindert. Den geplanten Sequels wurde als Folge aber ebenfalls der Stecker gezogen. Trotz dieser Misserfolge waren die 2000er Jahre jedoch zweifelsohne eine Blütezeit für das Fantasygenre.
Die Auflistung der Filme erfolgt anhand des US-Box-Office (inkl. Kanada) in US-$. Die Beträge sind nicht um die Inflation bereinigt.
Quellen:
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