Jolly Roger - Das Zeitalter der Internetpiraterie


Raubkopien waren im Filmgeschäft schon immer ein Problem. Doch die rasante Digitalisierung der Gesellschaft verhalf der Piraterie zu ganz neuen und einfacheren Wegen. So blühten in den 2000er Jahren weltweit Filesharing-Plattformen wie Megaupload, welche kostenlos neues und altes aus Hollywood anboten...

In den 2000er Jahren hatte sich das Internet vollends im Alltag etabliert und stellte nun ein unverzichtbares Kommunikations- und Informationsmittel dar. Die Digitalisierung der Gesellschaft hatte aber auch seine Schattenseiten, welche insbesondere die Unterhaltungsindustrie zu spüren kriegte.

 

Obwohl Raubkopien auch im Videozeitalter und früher vorkamen, so stellten sie nun ein viel grösseres Problem dar, da dank des Internets Raubkopien viel schneller verbreitet werden konnten und ausserdem über immer bessere Qualität verfügten. Im Internet kursierten zahlreiche Fileshare-Tauschbörsen, in welchen ältere, aber auch gerade erst im Kino gestartete Filme gratis heruntergeladen werden konnten. 

 

Die wohl bekannteste Plattform war Megaupload.com. Diese wurde im Jahr 2005 von dem Deutschen Kim Dotcom (gebürtiger Name: Kim Schmitz) in Shanghai gegründet und erreichte schnell enorme Popularität. Die Plattform bot dabei nicht nur unzählige alte Filme an sondern auch brandneue. Obwohl die Qualität der Neuheiten meist sehr schlecht war wurden sie dennoch millionenfach heruntergeladen.

 

Die Filmindustrie begegnete diesem Problem mit unterschiedlichen Strategien. Eine davon war es, die Kinostarts weltweit zu koordinieren und möglichst zeitgleich stattfinden zu lassen. Dadurch konnte ein zeitlicher Vorsprung gegenüber Raubkopien gewonnen werden. Die bereits in den 1980er Jahren in den USA beginnende Fokussierung auf das Startwochenende eines Filmes wurde dadurch in den 2000er Jahren auch auf den internationalen Markt ausgeweitet.

 

Eine weitere Strategie war die Aufklärung. So wurden eigens für die DVDs Videoclips erstellt, welche das Raubkopieren als illegal anprangerten und auch an das Gewissen des Konsumenten appellierten. Allerdings war der Nachteil, dass die Clips in der Regel sowieso auf den DVDs waren, welche vom zahlenden Kunden konsumiert wurden. Dadurch hatte diese Präventionskampagne also wenig Wirkung. 

 

Raubkopien - Ökonomische Katastrophe oder Gratiswerbung?

 

Wenig überraschend standen bei den Raubkopiereren natürlich die grossen Hollywood-Blockbuster hoch im Kurs. So zählten in den 2000er Jahren u.a. The Dark Knight (2008),  Avatar - Aufbruch nach Pandora (2009), Star Trek (2009) und "Hangover" (2009) zu den am meisten heruntergeladenen Filmen. Gleichzeitig lockten diese Streifen weltweit ein Millionenpublikum in die Kinos und scheffelten dort Huderte Millionen Dollars.

 

Dies liess natürlich die Frage aufkommen, wie sehr die Raubkopien Hollywood tatsächlich in finanzieller Hinsicht schadeten. "Avatar" spielte weltweit 2,78 Mrd. $ ein und "The Dark Knight" war mit über einer Milliarde ebenfalls ein Box-Office-Schwergewicht. Zudem verkauften sich allein diese beiden Filme im zweistelligen Millionenbereich auf DVD und Blu-ray.

 

Wie spätere Studien belegten waren ausserdem gerade die Raubkopierer gleichzeitig auch die Personengruppe, die am häufigsten ins Kino ging und auch überdurchschnittlich oft DVDs kauften. Es konnte dahingehend auch argumentiert werden, dass die diversen Fileshare- und Downloadplattformen als Werbung für die neuen Filme funktionierten. Ein Umstand, den Hollywood aber nicht gerne an die grosse Glocke hing.

 

Auch signifikante Auswirkungen auf das US-Box-Office konnten spätere Studien nicht bestätigen. So hatte eine zeitnahe Veröffentlichung von Kinofilmen auf der Filshare-Plattform BitTorrent keinen nennenswerten Effekt auf die Kinokasseneinnahmen. Nur in Ländern, in welchem ein Film erst Monate nach der US-Premiere gezeigt wurde, konnten marginale negative Auswirkungen auf den Umsatz festgestellt werden.

 

Dennoch waren Raubkopien natürlich illegal und die Filmindustrie liess keinen Zweifel daran, auch gerichtlich gegen Verstösse vorzugehen. Erste Klagen kamen jedoch nicht aus der Traumfabrik sondern aus der Pornoindustrie. Diese beklagten durch die zahlreichen Fileshare-Börsen tatsächlich hohe Verluste, wenngleich auch hier kaum offizielle Zahlen vorliegen.


Quellen: