Aller Anfang ist schwierig. Doch nicht für Hollywood. In den 2000er Jahren wagte sich die Filmindustrie an ein risikoreiches Experiment und startete zahlreiche bekannte Filmreihen neu. Ob "Batman", "James Bond" oder "Star Trek" - back-to-the roots war die Devise. Der Reboot war geboren...
Seit den 1980er und 1990er Jahren sind Sequels und Prequels in Hollywood an der Tagesordnung. Doch was tun, wenn eine eigentlich erfolgreiche Filmreihe erzählerisch am Ende ist? Neu anfangen? Genau!
Die eigentlich relativ simple Idee, alles von vorne anzufangen, wurde von Hollywood erstaunlich spät entdeckt. Klar, es gibt tausende Remakes, aber das ist nicht dasselbe. Reboots, also so gennannte Neustarts, unterscheiden sich klar in der Zielsetzung. Sie dienen dazu, dass kommerzielle Potenzial einer Filmreihe neu zu beleben.
Es ist deshalb kein Wunder, dass als erstes Batman und James Bond einen Reboot erhielten. Sowohl Batman Begins (2005) als auch Casino Royale (2006) erzählten dabei die Ursprünge ihrer äusserst populären Charaktere und legten so den Grundstein für den Beginn einer neuen Reihe. "Batman Begins" spielte weltweit 373 Mio. $ ein, während "Casino Royale" gar 599 Mio. $ erreichte. Hollywood hatte nun eine gänzlich neue Methode gefunden, Kapital aus alten Erfolgen zu schlagen.
Der Erfolg von "Batman Begins" und "Casino Royale" war jedoch nicht nur auf die Popularität seiner Hauptfiguren zurückzuführen sondern auch auf ihre filmische und inhaltliche Qualität. So konzentrierte sich Christopher Nolans Batman-Neustart verstärkt auch auf die Psyche und Motivation seiner Haupfigur. Dabei liess der Brite bei seiner Psychoanalyse auch vermehrt charakterliche Grauzonen zu, was dank der schauspielerischen Leistung von Hauptdarsteller Christian Bale auch glaubwürdig verkörpert wurde.
In dieselbe Kerbe schlug auch Martin Campbell mit seiner Neuerfindung des berühmtesten Geheimagenten der Welt. Denn nebst handfester und äusserst spektakulärer Action lässt er 007 so richtig leiden. Doch diesemal muss die Doppelnull nicht einfach nur körperlich ordentlich was einstecken sondern auch psychisch. Damit betrieb Campell genau wie Christopher Nolan Psychoanalyse. Dank Hauptdarsteller Daniel Graig wirkte das ganze auch in jeder Sekunde glaubhaft und der zu Beginn umstrittene blonde Bond-Darsteller sollte schliesslich dem legendären Geheimagenten ganz neue Facetten abgewinnen. Dank Graig kam 007 endlich im neuen Jahrtausend an und feierte dort mit James Bond 007 - Skyfall (2012) seinen absoluten Höhepunkt.
Weitere Reboots erfolgreicher oder erfolgsversprechender Stoffe folgten schliesslich 2008 mit "Der unglaubliche Hulk" und 2009 mit Star Trek. Während ersterer finanziell nicht so richtig zu überzeugen wusste, entwickelte sich letzterer in mehrfacher Hinsicht zu einem Glücksfall. Die Neuauflage um die Abenteuer der berühmten Crew in den Weiten des Weltalls wurde sowohl von Fans als auch von Kritikern begeistert aufgenommen und zählte mit einem welweiten Box-Office von 386 Mio. $ zu den erfolgreichsten Filmen der gesamten Reihe. Endlich erreichte die Enterprise beim Kinopublikum wieder die Popularität, welche sie in den 1980er Jahren genoss.
Während "Der unglaubliche Hulk" und "Star Trek" klar der Kategorie Reboot zugeordnet werden konnten, war es mit anderen Neubelebungen vergangener Filmerfolge schon etwas schwieriger. So schwankten die Neuinterpretationen von "Halloween" (2007) und "Freitag, der 13." (2009) z.B. unentschlossen zwischen Reboot und Remake, wobei sie meist eher letzerem zugeordnet werden.
Rob Zombies "Halloween" versucht dabei der Killer-Ikone Michael Myers menschliche Facetten abzugewinnen und beleuchtete sowohl seine traumatische Kindheit als auch sein Seelenleben. In dieser Hinsicht war "Halloween" eher dem Reboot zuzuordnen, da er die Geschichte einer altbekannten Filmfigur neu interpretierte. Am Ende hatte er aber erzählerisch dann doch zu viele Paralellen zum Original von 1978 und kann deshalb wieder eher dem Remake bzw. Prequel zugeordnet werden.
Obwohl beide Filme ordentlich Kasse machten, konnten sie weder Fans noch Kritiker für sich gewinnen. Während es "Halloween" 2009 zumindest noch auf eine (wenig überzeugende) Fortsetzung brachte, wurden diese Pläne für "Freitag, der 13." schnell über Bord geworfen. Diese Beispiele zeigten Hollywood auf, dass Neuinterpretationen populärer Stoffe auch ihre Tücken haben und das es nicht reicht, eine Geschichte einfach lieblos nochmals zu erzählen.
In den 2010er Jahren gab es zwar diverse Neuinterpretationen alter Stoffe ("Karate Kid", "Kampf der Titanen", "Jack Ryan"), doch selten gelang es diesen, eine Filmreihe wirklich neu zu starten. Echte Reboots verschwanden deshalb zunehmend von der Bildfläche und Hollywood setzte vermehrt wieder auf Prequels oder Sequels.
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