Remakemania im Horrorgenre


Die 2000er Jahre brachten eine kaum überschaubare Welle an Horror-Remakes hervor. Diese waren zwar bereits in Dekaden vorher gang und gäbe, nicht jedoch in dieser Quantität. Während in den 1990er und 1980er vor allem Horrorfilm-Sequels dominierten, waren die 2000er die Dekade der Horror-Remakes…

Zu Beginn der Dekade machte Hollywood dem Publikum alte Klassiker im Kino wieder schmackhaft und veröffentlichte im September 2000 u.a den Director’s Cut von "Der Exorzist". Der Erfolg war überwältigend: In den USA spielte die Neufassung 39,6 Mio. $ ein. Weltweit kamen gar 112 Mio. $ zusammen. Keine schlechte Summe für einen damals bereits 27-jährigen Horrorschocker.

 

Doch statt alte Horrorklassiker digital aufgewertet in die Kinos zu bringen setzte die Traumfabrik auf eine altbewährte Tradition: die Neuverfilmung. Remakes waren bereits früh in der Filmgeschichte ein bewährtes Mittel, um Kapital aus alten Geschichten zu schlagen. So auch im Horrorgenre. In den 2000er Jahren sollte jedoch eine beispiellose Flut an Horrorfilm-Remakes den Kinomarkt überschwemmen.

 

Den Auftakt machte dabei 2003 die Neuauflage des Slasher-Klassikers «Blutgericht in Texas» (1974), besser bekannt unter dem markanten Titel «The Texas Chainsaw Massacre». Verantwortlich zeichnete Krawall-Profi Michael Bay ("The Rock – Fels der Entscheidung", 1996). 

 

Doch statt dem Remake neue Facetten abzugewinnen, drehte Bay einfach den Gore-Faktor ein paar Stufen höher und sorgte so für eine bei Horrorfans allseits beliebte R-Rated-Freigabe (in Deutschland mit FSK 18 vergleichbar). Die Geschichte um die fünf Freunde, die von einer psychopathischen Familie systematisch gejagt und terrorisiert wird, änderte sich kaum. Auch Killer-Kultfigur Leatherface blieb unverändert. 

 

Obwohl das Remake dem Original weit unterlegen war und auch miserable Kritiken erhielt, spielte es allein an den US-Kinokassen 81 Mio. $ ein (Kostenpunkt: läppische 9,5 Mio. $). Dies reichte für Hollywood aus, um weiter auf Horror-Remakes zu setzen.

 

Die Filmplakte zu den Remakes von "The Texas Chainsaw Massacre" (2003) und "The Amityville Horror" (2005)
Die Filmplakte zu den Remakes von "The Texas Chainsaw Massacre" (2003) und "The Amityville Horror" (2005)

 

Als nächstes musste der 1979er Megablockbuster "Amityville Horror" dran glauben. In der Neuauflage um das berühmte Spukhaus an der US-Ostküste driftete diesmal der spätere "Deadpool"-Star Ryan Reynolds in den Wahnsinn ab. Im Original litten James Brolin (der Vater von Superstar Josh Brolin) und Margot Kidder unter dem Dämonenhaus.

 

Bei den Kritikern fiel die Neuversion sang und klanglos durch, doch wie so oft klappte es an den Kinokassen: Bei Produktionskosten von 19 Mio. $ spielte "Amityville Horror - Eine wahre Geschichte" allein in den USA 65 Mio. $ (ca. 108 Mio. in 2022-$) ein. Im Vergleich zum Original, welches inflationsbereinigt sage und schreibe 479 Mio. $ einspielte (86 Mio. in 1979er-$), zwar ein Pappenstil, aber dennoch ein grosser Erfolg.

 

Es folgten schliesslich Remakes solch beliebter Klassiker wie:

 

  • "Dawn of the Dead" (2004; Original: 1978)
  • "The Fog" (2005; Original: 1980)
  • "House of Wax" (2005; Original: 1953)
  • "Das Omen" (2006; Original: 1976)
  • "The Hitcher" (2007; Original: 1986)
  • "The Hills Have Eyes" (2007; Original: 1977)
  • "Halloween" (2007, Original: 1978)
  • "Prom Night" (2008; Original: 1980)
  • "The Last House on the Left" (2009; Original: 1972)
  • "My Bloody Valentine 3D" (2009; Original: 1981)
  • "Freitag, der 13." (2009; Orignal: 1980)

 

Doch kein einziges dieser Remakes konnte die Magie oder Wirkung des Originals einfangen und blieben so in der Regel billige Abziehbilder ihrer Vorgänger.

      

Michael Myers in seinem Element: Rob Zombies Remake von 2007 war so erfolgreich, dass er davon 2009 eine Fortsetzung drehen durfte
Michael Myers in seinem Element: Rob Zombies Remake von 2007 war so erfolgreich, dass er davon 2009 eine Fortsetzung drehen durfte

 

An den Kinokassen waren die Remakes aber eine Goldgrube und brachten den produzierenden Studios in der Regel hohe Gewinne ein. Da sie wie auch die üblichen Horrorfilme kostengünstig produziert werden konnten, waren sie in der Regel eine sichere Investition. Einige waren gar so erfolgreich, dass sie Fortsetzungen nach sich zogen, so z.B. "The Hills Have Eyes II" (2009) und "Halloween II" (2009).

 

Den Horrorfans stiessen die Neuverfilmungen jedoch immer wie mehr Sauer auf. 2010 folgte schliesslich die Neuauflage zu Wes Cravens Slasherklassiker Nightmare – Mörderische Träume (1984; Originaltitel: "A Nightmare on Elm Street"). Dieser sollte die Geschichte von Scherenhand Freddy Krueger neu beleben. Und im besten Fall den Grundstein für eine neue Franchise legen. Doch trotz guter Einspielzahlen fiel der Streifen bei Kritik- und Publikum durch. Eine Fortsetzung des Remakes kam deshalb trotz ursprünglicher Pläne nicht zustande.

 

Dasselbe Schicksal ereilte im gleichen Jahr auch die 150 Mio. $ teure Neuverfilmung von Universals Klassiker "Der Wolfsmensch" (1941). Diese war mit Benicio del Toro, Anthony Hopkins, Emily Blunt und Hugo Weaving prominent besetzt, konnte aber niemanden so recht überzeugen. In der Folge wurde "Wolfman" zu einem der grössten Kassenflops des Jahres.

 

Die Horror-Remakemania verlor im neuen Jahrzehnt merklich an Schwung und Hollywood besinnte sich wieder auf Sequels, Prequels und eigenständige Produktionen. So blühte das Horrorgenre mit neuen Filmreihen wie z.B. "Insidious" (ab 2010), The Conjuring (ab 2013) und mit autonomen Genreüberraschungen wie z.B. "Split" (2017), "Get Out" (2017) oder "Wir" (2019).


Die erfolgreichsten Horror-Remakes der 2000er


Die Auflistung erfolgt anhand des US-Box-Office (inkl. Kanada) und ist nicht um die Inflation bereinigt. Es wurde nur das Ergebnis der Erstaufführung berücksichtigt.

 

  1. Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre (2003) - $80’571’655
  2. Amityville Horror - Eine wahre Geschicht (2005) - $65’233’369
  3. Freitag, der 13. (2009) - $65’002’019
  4. Dawn of the Dead (2004) - $59’020’957
  5. Halloween (2007) - $58’272’029
  6. Das Omen (2006) - $54’607’383
  7. My Bloody Valentine 3-D (2009) - $51’545’952
  8. Prom Night (2008) - $43’869’350
  9. The Hills Have Eyes (2007) - $41’778’863
  10. Halloween II (2009) - $33’392’973
  11. The Last House on the Left (2009) - $32’752’215
  12. House of Wax (2005) - $32’064’800
  13. The Fog (2005) - $29’550’869