Panem et circenses: Seit den 1960er Jahren war es im Kino ruhig um den Antikfilm geworden. Zu ruhig. Deshalb wagte Regielegende Ridley Scott ("Alien", "Blade Runner", "Thelma & Louise") mit seinem aufwändigen Epos "Gladiator" gleich zu Beginn der 2000er Jahre eine Wiederbelebung. Mit durchschlagendem Erfolg...
Seit der Antikfilm in den 1950er und 1960er Jahren seinen Höhepunkt in Form des Monumental- und Bibelfilms erreichte, gelang es keinem Filmschaffenden mehr, diese geschichtliche Epoche auf der Leinwand glaubhaft darzustellen. Meist scheiterte der Versuch jedoch nicht am Engagement oder der Vorstellungskraft der Kreativen, sondern vielmehr an den finanziellen Grössenordnungen. Diese stellten bereits vor den Dreharbeiten ein kaum zu überwindendes Hindernis dar. Waren Antikfilme bereits in den 1950er Jahren enorm kostspielig, so waren sie in den 1970er, 1980er und 1990er Jahren kaum mehr finanzierbar.
Die entscheidende Wende kam jedoch pünktlich zum Jahrtausendwechsel mit Ridley Scotts Gladiator (2000). Dank des Fortschritts der Computertechnologie in den 1990er Jahren konnte der Film über einen römischen General, der den Tod seiner Familie rächen will, für "preiswerte" 103 Mio. $ gedreht werden. Wo früher echte Stadien gebaut werden mussten und tausende Statisten vonnöten waren kam nun der Computer zum Einsatz. Dies sparte nicht nur viel Geld, sondern auch viel Zeit. Ausserdem litt die visuelle Glaubwürdigkeit in keiner Weise.
Dies war sicher auch ein Grund für den durchschlagenden Erfolg von "Gladiator". An den weltweiten Kinokassen spielte das Epos 461 Mio. $ ein und zählte damit hinter "Mission: Impossible II" (546 Mio.) zum erfolgreichsten Film des Jahres 2000. Doch nicht nur die Dollars stimmten, sondern auch die Kritiken und der künstlerische Erfolg. Bei der Oscarverleihung gewann "Gladiator" gar in der Königskategorie Bester Film. Erfolg auf der ganzen Linie.
Der Riesenerfolg von "Gladiator" war für Hollywood Grund genug, die Produktion weiterer Antikfilme voranzutreiben. Als erstes folgte 2003 Peter Weirs "Master & Commander - Bis ans Ende der Welt". Der Streifen ist während der napoleonischen Kriege angesiedelt und basiert auf einem Roman von Patrick O'Brian (1914 - 2000).
Die Handlung dreht sich um die gegensätzlichen Charaktere von Kapitän Jack Aubrey ("Gladiator"-Star Russel Crowe) sowie dessen Schiffarzt Dr. Stephen Maturin (Paul Bettany). Um das ganze auch einem Mainstreampublikum schmackhaft zu machen, kommt es während der Handlung immer wieder zu Kämpfen mit einem französischen Kriegsschiff.
Obwohl Peter Weirs Streifen das raue Leben auf hoher See äusserst realistisch und beeindruckend inszenierte, floppte der Streifen an den Kinokassen. Bei Produktionskosten von 150 Mio. $ spielte er weltweit nur 212 Mio. wieder ein. "Master & Commander - Bis ans Ende der Welt" erwies sich für das Mainstreampublikum schlicht als zu langatmig. Daran konnten auch die überaus positiven Kritiken nicht viel ändern.
Aufgrund der zurückhaltenden Aufnahme von "Master & Commander - Bis ans Ende der Welt" seitens des Kinopublikums setzten die Studiobosse mit Wolfgang Petersens "Troja" (2004) und Jerry Bruckheimers "King Arthur" (2004) wieder voll und ganz auf Action. Selbstredend trat dabei die Story der Filme eher in den Hintergrund. Auch den mythologischen sowie magischen Hintergründen der beiden Streifen wurde keinerlei Platz eingeräumt. So kamen in "Troja" weder Götter noch der Olymp vor und auch in "King Arthur" suchte man vergeblich nach dem Heiligen Gral und Zauberer Merlin. Vom Schwert Excalibur ganz zu schweigen.
Diese Mythenfreie Interpretation der jeweiligen Geschichten erwies sich jedoch nicht als sonderlich vorteilhaft. Beide Filme hatten eher Mühe, ihr Publikum zu finden. Am meisten Glück hatte noch "Troja", der mit einem weltweiten Box-Office von 497 Mio. $ zumindest an den Kinokassen überzeugen konnte. Doch bei Produktionskosten von 185 Mio. $ dürfte am Ende nicht viel Profit übrig gewesen sein. Bei den Kritiken schnitt "Troja" hingegen schlecht ab und kassierte überwiegend mittelmässige bis schlechte Noten.
"King Arthur", der die Artus-Legende auf eine eher realistische Weise interpretieren wollte, gings aber noch schlechter. Bei Produktionskosten von immerhin 120 Mio. $ spielte er weltweit lediglich 204 Mio. $ ein - viel zu wenig, um Gewinne abzuwerfen. Und die Kritiker gingen mit dem Streifen hart ins Gericht. Insbesondere das Fehlen jeglicher magischer Elemente wurde stark bemängelt und der Streifen wurde unisono als eintöniger und gewöhnlicher Actionfilm getadelt.
Der Hang zum Realismus im Antikfilm lockte auch Hollywoods grössten Verschwörungstheoretiker aus der Reserve: Oliver Stone (Platoon, 1986). Bereits länger liebäugelte der umstrittene Regisseur mit der historisch so prägenden Figur von Alexander des Grossen und konnte schliesslich dank mehrerer Investoren ein gigantisches Budget von 155 Mio. $ auf die Beine stellen.
Das Geld investierte Stone natürlich primär in die Ausstattung des Streifens. Doch auch die Darsteller konnten sich sehen lassen: Colin Farrell, Angelina Jolie, Val Kilmer, Jared Leto, Rosario Dawson und Anthony Hopkins gaben sich die Ehre.
Doch die opulente und relativ freie Erzählweise vom Leben des makedonischen Eroberers, der mit seinen Truppen bis nach Indien vorstiess, war sowohl den Kritikern als auch dem Publikum zu viel des Guten. "Alexander" scheiterte an den Kinokassen und konnte weltweit gerademal 167 Mio. $ einspielen. Der Verlust betrug gemäss Expertenschätzungen mindestens 71 Mio. $ - eine gigantische Summe.
Zu allem Übel wurde "Alexander" auch noch für insgesamt sechs Goldene Himbeeren nominiert - dem Äquivalent des Anti-Oscar. Zu den wenig schmeichelhaften Kategorien zählten u.a. schlechtester Film, schlechtester Regisseur und schlechtester Hauptdarsteller (Colin Farrell). Gewinnen konnte er jedoch in keiner der Kategorien und kam so mindestens künstlerisch mit einem blauen Auge davon.
Trotz der enttäuschenden Ergebnisse von "Troja", "King Arthur" und "Alexander" beschloss 20th Century Fox, grünes Licht für Ridley Scotts Kreuzzug-Spektakel Königreich der Himmel zu geben. Der Streifen bot nebst einem erstklassigen Cast (u.a. Orlando Bloom, Liam Neeson, Jeremy Irons, David Thewlis, Edward Norton, Eva Green) überwältigende Schlachtenbilder sowie eine ungewohnt akkurate Darstellung des frühen Mittelalters.
Im Zentrum der Handlung steht der einfache Hufschmid Balian (Orlado Bloom) der seinen Vater (Liam Neeson) trotz anfänglichem Zögern auf die Kreuzzüge nach Jerusalem begleitet. Dort wird er Zeuge von politischen Intrigen und religiösen Konflikten. Schliesslich muss er Jerusalem gegen Sultan Saladin in einem erbitterten Kampf verteidigen. Die Botschaft des Films ist am Ende jedoch versöhnlich und ein Plädoyer für Toleranz und Frieden.
Trotz all dieser Vorzüge mussten die Produzenten mit "Königreich der Himmel" eine herbe Enttäuschung einstecken und der 130 Mio. $ teure Streifen blieb mit einem weltweiten Box-Office von knapp 212 Mio. $ weit hinter den Erwartungen zurück. Daran konnten selbst die soliden Kritiken nichts ändern.
Ironischerweise führte das finanzielle Scheitern von "Königreich der Himmel" frühzeitig zur Beendigung der Antikfilmwelle, welche von Scott zu Beginn der Dekade mit "Gladiator" auf so spektakuläre Weise eingeläutet wurde. In der Folge erschienen Antikfilme nur noch selten auf der Leinwand.
Ein letztes grosses Aufbäumen des Antikfilms ereignete sich 2007. In diesem Jahr brachte Zack Snyder mit "300" ein visuell äusserst ästhetisches Schlachtengemälde ins Kino. Der Streifen erzählt die Geschichte von 300 Spartanern die unter der Führung des charismatischen Leonidas (Gerard Butler) gegen ein gewaltiges griechisches Heer in den Krieg ziehen.
"300" war jedoch weniger ein klassischer Antikfilm als vielmehr eine Adaption des gleichnamigen Graphic Novel von Frank Miller. An den Kinokassen erreichte "300" jedoch Blockbuster-Sphären und war mit einem weltweiten Box-Office von 456 Mio. $ fast so erfolgreich wie "Gladiator".
Aufgrund seiner visuellen Ausrichtung und seines sehr eigenwilligen kreativen Stils ist Synders Streifen jedoch weniger representativ für den kurzen Boom des Antikfilms. Er war weniger eine Folge der Antikfilmwelle denn ein eigenständiger und zumindest in visueller Hinsicht wegweisender Film.
Verwandte Artikel: