Sie können fliegen, durch Wände sehen, Metall beherrschen oder zu gigantischer Grösse wachsen: Comichelden. Doch seit den Fortschritten der Computertechnologie können sie vor allem eines: die Kinosäle füllen...
Vor den 2000er Jahren gab es zwar immer wieder Comicverfilmungen, doch Kassenknüller wie z.B. Richard Donners Superman (1978) oder
Tim Burtons "Batman" (1989) waren eher die Ausnahme den die Regel. Auch wurden die Comichelden meist eher schlecht ausgewählt und auch die Umsetzung liess häufig trotz teils ordentlicher Budgets
zu wünschen übrig. So waren z.B. "Flash Gordon" (1980), "Supergirl" (1984), "Captain America" (1990), "Rocketeer - Der Raketenmann" (1991), "Shadow und der
Fluch des Khan" (1994), "Judge Dredd" (1995) oder "Das Phantom" (1996) nicht gerade Vorzeigefilme für gutes Comickino. Ausserdem waren die Helden dieser Geschichten
primär dem amerikanischen Publikum ein Begriff, weshalb auch der internationale Erfolg ausblieb.
Dank des enormen Fortschritts der Computertechnologie und des CGI in den 1990er Jahren bahnte sich jedoch eine Wende an, die schliesslich durch Bryan Singers "X-Men" und Sam Raimis "Spider-Man" ihre Form erhielt. Beide Filme waren an den welweiten Kinokassen enorm erfolgreich und insbesondere letzterer sorgte für Rekordumsätze. Die Comichelden schienen nun endgültig im Mainstream angekommen zu sein. Als Antwort auf den Erfolg der beiden Filme investierte Hollywood in zahlreiche Superheldenfilme.
Obwohl Hollywood in praktisch jeder Dekade Superheldenverfilmungen auf die Leinwände brachte, konnten nur wenige von ihnen wirklich überzeugen. Mitunter am erfolgreichsten waren dabei die auf den gleichnamigen Comics des DC-Verlags basierenden und mit grossem Aufwand inszenierten Superman- und "Batman"-Verfilmungen (1978 und 1989).
Doch der grosse Kassenerfolg dieser Filme blieb eine Ausnahmeerscheinung und ein richtiger Boom wollte sich nie so recht einstellen. Einer der Hauptgründe dafür
dürfte sicher auch die eher schlechte Auswahl und Umsetzung der jeweiligen Comichelden gewesen sein. So waren z.B. "Flash Gordon" (1980), "Supergirl" (1984), "Captain America" (1990),
"Rocketeer - Der Raketenmann" (1991), "Shadow und der Fluch des Khan" (1994), "Judge Dredd" (1995) oder "Das Phantom" (1996) nicht gerade Vorzeigefilme für gutes
Comickino. Viele dieser Streifen hatten häufig trotz stattlichen Budgets eher B-Movie-Charme und waren oft auch unfreiwillig komisch.
Dies änderte sich jedoch pünktlich zur Jahrtausendwende. Dank dem Durchbruch der Computertechnologie und des CGI konnten Superheldenfilme im Stile von "Superman" und "Batman" immer öfters auch preisgünstig gedreht werden. Die Wende brachte schliesslich Bryan Singers "X-Men" (2000), der sowohl die Kritiker als auch das Publikum überzeugen konnte. Mit einem weltweiten Box-Office von 296 Mio. $ (Kosten: 75 Mio.) war er enorm erfolgreich und trieb die Umsetzung diverser Comicverfilmungen voran. Die Geschichte um Professor X und seine Mutanten, die sich dem sinisteren Magneto entgegenstellen wusste jedoch auch schauspielerisch und inhaltlich zu überzeugen und machte nebenbei Hugh Jackman zum neuen Superstar.
Es folgte schliesslich Meilenstein auf Meilenstein und Comicverfilmungen wurden in den Kinos populärer den je. Insbesondere Sam Raimis "Spider-Man" setzte dabei Akzente. Ähnlich wie Ende der 1970er Jahre "Superman" wurde auch "Spider-Man" ein Riesenerfolg bei Kritik und Publikum.
In "X-Men" hatte erstmals eine der beliebtesten Comicfiguren überhaupt sein Leinwanddebüt: Wolverine. Für den raubeinigen Aussenseiter besetzte Singer den unbekannten Australier Hugh Jackman, der kurzfristig für den Schotten Dougray Scott einsprang. Die Rolle bedeutete für Jackman den Durchbruch zum Superstar. Doch nicht nur Jackman hob in Hollywood ab, sondern auch das Genre der Comicverfilmungen.
Bei relativ moderaten Produktionskosten von 75 Mio. $ spielte "X-Men" weltweit 296 Mio. $ ein und machte damit den Weg frei für weitere Superheldenfilme. Innert kürzester Zeit folgten Spider-Man (2002), "Hulk" (2003) und "Daredevil" (2003).
Allen drei Filmen war gemein, dass sie genau wie "X-Men" auf Marvels berühmten Comicfiguren basierten und das Studio auch zum Teil an den Filmen beteiligt war. Allerding noch nicht so, wie in späteren Jahren.
Von den drei Filmen erwies sich insbesondere "Spider-Man" als Volltreffer. Ursprünglich sollte der Streifen bereits Mitte der 1990er Jahre unter der Regie von James Cameron gedreht werden. Doch nach langem Rechtsstreit stieg Cameron aus und überliess "Tanz der Teufel"-Schöpfer Sam Raimi das Feld.
Raimi besetzte schliesslich Tobey Maguire in der Titelrolle und landete damit einen Volltreffer. Denn Maguire vermochte insbesondere dem Nerd Peter Parker Leben einzuhauchen und brachte dem Film so den nötigen emotionalen Tiefgang.
Ein weiterer Pluspunkt von "Spider-Man" war das Augenmerk auf die Hauptfiguren und den emotionalen Aspekt der Geschichte. So ist nicht nur Peter Parkers heimliche Liebe zu Mary Jane (Kirsten Dunst) ein zentrales Thema sondern auch der Verlust seines Onkels Ben (Cliff Robertson).
Mit einem weltweiten Box-Office von 821 Mio. $ wusste "Spider-Man" aber nicht nur filmisch sondern auch ökonomisch zu überzeugen. Dies gelang "Hulk" und "Daredevil" nur bedingt. Obwohl Ang Lees "Hulk" visuell kreative Wege einschlug, konnte er bei den Fans des grünen Wüterich nicht so recht punkten.
Während "Hulk" zu eigenwillig und unkonventionell war, erwies sich "Daredevil" als das genaue Gegenteil. Der Streifen mit Ben Affleck als blinder Superheld wurde als zu konventionell kritisiert. So kam es, dass beide Filme an den Kinokassen nicht so recht zu überzeugen wussten.
Hollywood liess sich von diesen beiden Ausrutschern jedoch nicht beirren und produzierte umgehend "X-Men 2" (2003) und "Spider-Man 2" (2004). Der grosse Erfolg dieser Sequels heizte den Superheldenboom so richtig an und bewirkte dass bis Ende der Dekade u.a. "Hellboy" (2004), "Fantastic Four" (2005), "Superman Returns" (2006), "Ghost Rider" (2007) und "Iron Man" (2008) das Licht der Leinwand erblickten.
Unbestreitbarer Höhepunkt des Superheldenbooms der 2000er Jahre war jedoch Christopher Nolans Batman-Reboot mit Batman Begins (2005) und The Dark Knight (2008) sowie im neuen Jahrzehnt "The Dark Knight Rises" (2012).
Im Gegensatz zu den vorherigen Superheldenverfilmungen zeichneten sich "Batman Begins" und vor allem sein Nachfolger "The Dark Knight" durch eine überraschend realistische und düstere Inszenierung aus.
Selten wurde ein Superheld mit all seinen Konfliken so überzeugend und lebensnah auf die Leinwand gebracht. Bei so viel Realismus drohte der dunkle Ritter beinahe seinen Status als Superheld zu verlieren.
Während "Batman Begins" mit einem weltweiten Box-Office von 373 Mio. $ bereits ein solider Publikumserfolg war, wurde "The Dark Knight" mit 1,005 Mrd. $ ein regelrechtes Kinokassenphänomen.
Dies war zum Teil sicher auch auf den tragischen Tod von Joker-Darsteller Heath Ledger zurückzuführen, doch vielmehr traf "The Dark Knight" gekonnt den Nerv der Zeit und bot exzellentes Charakterkino. Im Superheldengenre damals eher eine Ausnahmeerscheinung.
Der Riesenerfolg zahlreicher Comicverfilmungen in den 2000er Jahren motivierte den Comicverlag Marvel zum entscheidenden Schritt in die Unabhängigkeit.
Obwohl Marvel bereits als Co-Produzent von solch unterschiedlichen Comicverfilmungen wie "Spider-Man" (2002), "Daredevil" (2003) und "Hulk" (2003) fungierte, war es an den Kinoeinnahmen nur minimal beteiligt. Den Löwenanteil kassierten die grossen Hollywoodstudios. Doch damit sollte nun endgültig Schluss sein.
Als Startprojekt war aufgrund der Rechtslage ursprünglich Captain America vorgesehen, doch als die Rechte von Iron Man ebenfalls zurück an Marvel gingen entschied man sich für den Mann in der Rüstung. Für die Hauptrolle wurde überraschend Robert Downey, jr. ausgewählt. Als Budget konnte Marvel rund 140 Mio. $ zusammenkratzen und setzte alles auf eine Karte.
Als "Iron Man" dann 2008 seine Premiere feierte wurde er vom Start weg ein Riesenerfolg und spielte an den weltweiten Kinokassen 585 Mio. $ ein. Das Marvel Cinematic Universe - kurz MCU - war geboren. Und mit ihm auch ein neuer Superstar: Robert Downey, jr.
In den Folgejahren brachte Marvel schliesslich zahlreiche Comicverfilmungen auf die Leinwände. Und obwohl nicht jeder Film der grosse Wurf war, erwiesen sich allesamt als finanzielle Erfolge.
Dank Marvel wurden die Comicverfilmungen nicht nur äusserst erfolgreich ins neue Jahrzehnt transportiert sondern feierten dort eine regelrechte Blütezeit.
Die Auflistung der Filme erfolgt anhand des US-Box-Office (inkl. Kanada). Die Beträge sind nicht um die Inflation bereinigt.
Die Auflistung erfolgt anhand der deutschen Kinobesucherzahlen. Die Zahlen wurden aus verschiedenen Quellen zusammengetragen. In Klammern ist das Datum des Kinostarts in Deutschland aufgeführt. Es sind nur Filme enthalten, welche zwischen dem 01.01.2000 und 31.12.2009 ihre Kinopremiere feierten.