Dank James Camerons "Avatar" schaffte die 3D-Technik Ende der 2000er Jahre nach erfolglosen Versuchen in den 1950er und 1980er Jahren endlich den Durchbruch. Nun wurde die dritte
Dimension auch im Kino salonfähig. Doch die Qualität liess des öftern zu wünschen übrig. Dies lag jedoch nicht an der Technik selbst, sondern an Hollywoods Hang, auf Nummer sicher zu
gehen...
Immer wieder probierte Hollywood, 3D-Technologien zum Durchbruch zu verhelfen. Doch meist war das Unterfangen nur kurzfristig erfolgreich. Dies sollte sich jedoch mit dem Erfolg eines Filmes schlagartig ändern: Avatar - Aufbruch nach Pandora. Als James Camerons Streifen im Dezember 2009 seine Premiere feierte, entwickelte er sich in Windeseile zum Kinokassenphänomen und spielte weltweit 2,79 Mrd. $ ein - mehr als jeder andere Film zuvor. In Deutschland sahen ihn 10,89 Millionen Kinobesucher, womit er sich mühelos unter die 15 erfolgreichsten Filme seit 1980 reihte.
"Avatar" zeigte nicht nur den verblüfften Zuschauern, was mit 3D alles möglich ist, sondern auch Hollywood. Für die Traumfabrik war es jedoch nicht die erste Begegnung mit der Technologie. Denn bereits in den 1950er und 1980er Jahren experimentierte man mit der dritten Dimension im Kino. Mit bescheidenem Erfolg. Während einige wenige Filme der jeweiligen Dekaden zu Kassenschlagern wurden (z.B. "Das Kabinett des Professor Bondi" [1953], "Der weisse Hai 3D" [1983]), floppte der grosse Rest. Das 3D hatte im Kino eine äusserst kurze Lebenserwartung.
In den 2000er Jahren versuchten sich wagemutige Filmemacher erneut am 3D-Film. Mehrheitlich handelte es sich aber um Animationsfilme, die die Technologie nutzten. Diesbezüglich war insbesondere Zurück in die Zukunft-Schöpfer Robert Zemeckis Pionier. Mit Hilfe des durch die "Herr der Ringe"-Trilogie bekannt gewordene Motion Capture kreiierte er seine visuell beeindruckenden Animationsfilme "Der Polarexpress" (2004) und "Die Legende von Beowulf" (2007) und liess sie in 3D über die Kinoleinwände flimmern. An den Kinokassen konnten die kostspieligen Produktionen - beide verschlangen je mindestens 150 Mio. $ - jedoch nicht überzeugen.
Doch James Cameron konnte mit "Avatar - Aufbruch nach Pandora" den 3D-Fluch schliesslich brechen und beflügelte Hollywood zur Produktion zahlreicher 3D-Filme. Doch statt wie gehofft Filme im aufwändigen Verfahren zu drehen, entschied sich die Traumfabrik für die billigere Variante und liess auserwählte Filme nach der Fertigstellung ins 3D-Format konvertieren. Durch dieses Verfahren konnte die Popularität des 3D-Kinos weiterhin getestet werden, ohne zu hohe finanzielle Risiken einzugehen.
Nur ein Jahr nach "Avatar" erreichte "Tron Legacy" Ende 2010 die Kinos. Der Film sollte nicht nur das Interesse am 3D-Kino am Leben erhalten sondern auch das Original von 1982 ("Tron") wiederbeleben. Dabei investierte das Disney-Studio 170 Mio. $ in den Film. Doch statt eines zweiten "Avatar" gabs lediglich ein solider, aber dennoch enttäuschender Film. Mit einem weltweiten Box-Office von 400 Mio. $ war "Tron Legacy" zwar kein Flop, doch auch nicht der erhoffte Kassenknüller.
Und auch das 3D liess zu wünschen übrig. Einige Szenen stellten das Verfahren gar in ein schlechtes Licht und liessen es minderwertig erscheinen, so z.B. die Verjüngerungsszene von Hauptdarsteller Jeff Bridges zu Beginn des Films. Das 3D war für solch anspruchsvolle Bilder einfach noch nicht genug ausgereift, schon gar nicht in Form einer Nachkonvertierung. Diese wendet das Disneystudio nämlich für "Tron Legacy" an, womit er das fesselnde 3D-Erlebnis von "Avatar" sträflich vermissen liess. Es war also wenig überraschend, dass der Streifen in punkto 3D-Kino keine neuen Massstäbe setzen konnte.
Die Filmstudios sahen jedoch grosszügig über diese Makel hinweg. Dies vor allem auch aus finanziellem Kalkül. Ein Film wie "Avatar" bedeutete eine gewaltige und risikoreiche Investition, denn Camerons Streifen kostet immerhin 237 Mio. $ - ohne Werbung. Deshalb setze Hollywood in erster Linie auf die kostengünstige Konvertierung ins 3D-Format.
Die Mehrinvestition in die Konvertierung rechtfertigte den Studiobossen zufolge auch den Ticketpreisaufschlag den 3D-Filme für die Kinobesucher nach sich zogen. In der Regel betrug dieser Zuschlag in den USA zwischen 1 bis 3 Dollar. Die Filmindustrie war jedoch schlau genug, das 3D-Kinoerlebnis dem Zuschauer nicht aufzuzwingen und boten immer auch eine reguläre 2D-Version des jeweiligen Films an. Der Kinobesucher hatte also die Qual der Wahl.
Und nach "Avatar" war die Auswahl von Jahr zu Jahr grösser: Während 2010 noch 26 Filme in dem Format starteten, waren es nur ein Jahr später bereits 45. Obwohl der Boom ab 2013 abflachte, ist der 3D-Film mittlerweile ein fester Bestandteil der Kinolandschaft und konnte sich somit nach Jahrzehnten des Scheiterns endlich im Kino als feste Grösse etablieren.
JAHR | 3D-TICKET IN MIO. | MARKTANTEIL TOTAL TICKETS |
2010 | 25,5 | 20,4% |
2011 | 29.3 | 22,8% |
2012 | 28,9 | 21,8% |
2013 | 31,3 | 24,4% |
2014 | 26,8 | 22,3% |
2015 | 29,6 | 21,9% |
2016 | 31,3 | 25,6% |
2017 | 25,5 | 21,5% |
2018 | 17,1 | 16,3% |
2019 | 18,5 | 16,0% |
RANG | FILMTITEL |
Eintritte |
1. |
Star Wars: Das Erwachen der Macht (2015) |
9.060.311 |
2. |
Minions (2015) |
6.945.769 |
3. | Ice Age 4 - Voll verschoben (2012) | 6.700.208 |
4. |
Der Hobbit - Eine unerwartete Reise (2012) |
6.689.410 |
5. |
Die Eiskönigin II (2019) |
6.781.476 |
6. |
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 (2011) |
6.468.501 |
7. |
Der Hobbit - Smaugs Einöde (2013) |
6.098.029 |
8. |
Der Hobbit - Die Schlacht der fünf Heere (2014) |
6.066.455 |
9. |
Star Wars - Die letzten Jedi (2017) |
5.916.695 |
10. |
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 (2010) |
5.835.503 |
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