In keiner Dekade zuvor wurden so viele Comicverfilmungen aus dem Boden gestampft wie in den 2010er Jahren. Ob Avengers, Superman, Batman oder Spider-Man - die Superhelden waren auf der grossen Leinwand omnipräsent. Und sie sorgten nicht nur für riesige Umsätze sondern überraschenderweise auch häufig für gute Kritiken...
Obwohl der Comicverfilmung-Boom bereits in den 2000er Jahren mit Blockbustern wie "Spider-Man" (2002), Batman Begins (2005) und "Iron Man" (2008) startete, war die Blütezeit in den 2010er Jahren. In keiner Dekade erreichten so viele Comicverfilmungen die Vorführsäle wie in diesem Jahrzehnt.
Die Spitzenposition in puncto Masse und Umsatz hatte zweifelsohne das Marvel Cinematic Universe (kurz: MCU) inne. Dem Studio gelang der Durchbruch mit "Iron Man" Ende der 2000er Jahre. Damals setzte Marvel alles auf eine Karte und entschied sich, fortan nicht mehr als Co-Produzent sondern als eigenständige Filmschmiede zu agieren. Eine Entscheidung, die sie schliesslich zur erfolgreichsten Produzentin von Comicverfilmungen machen sollte und die 2019 im kommerziell erfolgreichsten Film der Dekade gipfelte (Avengers: Endgame, 2,78 Mrd. $ weltweites Box-Office).
Kennzeichnend für den Erfolg von Marvel war vor allem die stetig steigende Beliebtheit seiner Heldenfiguren. Waren die ersten Solofilme von Thor und Captain America noch eher moderate Kassenerfolge so erwiesen sich die Fortsetzungen bereits als Box-Office-Schwergewichte.
Die Strategie, Handlungselemente und Filmfiguren über mehrere Filme hinweg aufzubauen und zu verflechten, erwies sich als goldrichtig. Das Kinopublikum konnte von den Figuren nicht genug kriegen. Bis am Ende des Jahrzehnts erwirtschaftete Marvel mit seinen insgesamt 23 Filmen weltweit einen Umsatz von über 22,5 Mrd. $. Dabei knackten sieben Filme die magische Eine-Milliarde-$-Grenze. Das grosse Zweiteiler-Finale - Avengers: Infinity War (2018) und "Avengers: Endgame" (2019) - erreichten gar jeweils über 2 Mrd. $ Umsatz.
Doch nicht nur Marvel flutete den Filmmarkt mit Comicadaptionen. Auch die Konkurrenz DC Comics stiess ins Filmbusiness vor und brachte in Zusammenarbeit mit der Warner Bros. zahlreiche Superheldenfilme in die Kinos. Doch im Gegensatz zu Marvel hatte DC bei Fans- und Kritikern einen eher schweren Stand. Ausgerechnet die vermeintlichen Zugpferde Superman und Batman enttäuschten dabei auf ganzer Linie.
Obwohl "Man of Steel" (2013) und "Batman vs. Superman: Dawn of Justice" (2016) alles andere als Kassenflops waren hagelete es Verrisse von allen Seiten. Und auch dem Antiheldenstreifen "Suicide Squad" (2016), der Verbrecher wie den Joker, Harley Quinn und Deadshot ins Zentrum rückten, erging es nicht viel besser.
Schliesslich mussten es die vermeintliche Aussenseiter "Wonder Woman" (2017), "Aquaman" (2018) und "Shazam!" (2019) wieder gerade biegen. Diese Streifen waren gemessen am Grad der Bekanntheit ihrer Figuren enorm erfolgreich und "Aquaman" spielte als erster Streifen im DC-Universum weltweit über eine Mrd. $ ein.
Dieser DC-Meilenstein gelang schliesslich Ende der Dekade nur noch dem Überraschungshit Joker (2019). Der Streifen war zwar nicht direkt im DC-Universum angesiedelt und primär als Charakterstudie angelegt, schlug jedoch dank der oscarprämierten Performance von Hauptdarsteller Joaquin Phoenix hohe (Box-Office)Wellen. "Joker" bewies damit eindrücklich, dass Superheldenkino nicht zwingend als bombastisches Spektakel daherkommen muss sondern auch mit "leisen" Tönen enorm erfolgreich sein kann.
Die Auflistung der Filme erfolgt anhand der deutschen Kinobesucherzahlen. Diese wurden aus unterschiedlichen Quellen zusammengetragen.