Nostalgie und Dollars - Wiederbelebung alter Franchisen


In kaum einer Dekade grub Hollywood so emsig nach Fortsetzungen und Film-Franchisen wie in den 2010er Jahren. Grünes Licht aufwändiger Produktionen war meist an das Versprechen einer Film-Franchise gekoppelt...

Was in den 2000er Jahren mit dem Reboot begonnen wurde, führte Hollywood im neuen Jahrzehnt erfolgreich weiter. Doch statt klassisch nur auf den Reboot zu setzen, belebte die Filmindustrie längst totgeglaubte Franchisen zu neuem Leben.

 

Einen ersten Versuch wagte die 20th Century Fox mit "Stirb Langsam - Ein guter Tag zum Sterben". Sieben Jahre nach dem letzten Teil schickte das Traditionsstudio den markanten Haudegen und LAPD-Cop John McClane (Bruce Willis) auf Gangsterjagd nach Moskau. Der Streifen setzte zwar nicht so sehr auf Nostalgie, aber die charismatische Hauptfigur wirkte dennoch etwas verloren und deplaziert in einer neuen Welt.

 

Prägend diesbezüglich dürfte das Jahr 2015 gewesen sein.

Spätestens seit den 1980er Jahren sind Fortsetzungen ein fester und finanziell lukrativer Bestandteil der Kinolandschaft. Doch jede Erfolgsreihe hat irgendwann sein Ende. Insbesondere dann, wenn der Publikumszuspruch nachlässt. Doch selbst für dieses Problem hat Hollywood ein Ass im Ärmel. Nebst der lukrativen Möglichkeit des Reboots gelingt es der Filmindustrie immer wieder, neue Kinoreihen zu erschaffen. Sei es nun auf Basis von Comic- oder Romanvorlagen (z.B. die "Marvel"-Filme oder "Die Tribute von Panem"-Trilogie) oder auf eigenen Ideen - Hollywood hält immer die Fortsetzungstüre offen. 

 

Kostspielige Filme, welche sich nicht als Start einer Kinoreihe eignen oder Fortsetzungen sind, erhalten selten grünes Licht. Es ist deshalb kaum verwunderlich, dass sich in den jährlichen Kinocharts mehrheitlich Fortsetzungen oder Event-Filme mit hohem Franchise-Charakter tummeln.

 

Die finanzielle Kalkül des Fortsetzungsfilms muss aber keineswegs auf Kosten der Qualität gehen - ganz im Gegenteil. Entspricht ein Film nicht einer bestimmten Qualität ist entweder die Chance für eine Fortsetzung schnell vertan oder die erfolgreich gestartete Kinoreihe endet abrupt. 

 

Dabei können schlechte oder mittelmässige Kritiken noch eher verkraftet werden als schlechte Publikumsmeinungen. Bestes Beispiel hierfür sind die DC-Comicverfilmungen "Man of Steel" (2013), "Batman vs. Superman: Dawn of Justice" (2016) oder "Suicide Squad" (2016). 

 

Alle drei Filme sind analog den "Marvel"-Comicverfilmungen als Teil einer grösseren Kinoreihe angelegt. Doch im Gegensatz zu den "Marvel"-Filmen schnitten die "DC"-Filme bei den Kritikern miserabel ab. Das Kinopublikum jedoch bewertete die Filme positiv und verhalf ihnen mit einem weltweiten Box-Office von über 2,285 Mrd. $ zu grossem finanziellen Erfolg.

 

Obwohl sich Hollywood redlich bemühte, neue Franchischen aufzubauen, erwies sich das Altbewährte meist auch als das zuverlässigste. In dieser Hinsicht war das Jahr 2015 wegweisend. Mit Mad Max: Fury Road, "Jurassic World", "Terminator: Genysis" und "Star Wars: Das Erwachen der Macht" (2015) starteten gleich vier (!) Filme, welche alte Filmfranchisen wiederbeleben sollten. Und das Publikum belohnte - zumindest mehrheitlich - die nostalgische Rückschau.

 

Insbesondere "Jurassic World" und "Star Wars: Das Erwachen der Macht" schienen mit ihren riesigen Umsätzen sowohl neue als auch alte Fans zu begeistern. Kaum verwunderlich, dass weitere Abenteuer dieser Streifen nicht lange auf sich warten liessen und bereits 2017 und 2018 die Kinosäle füllten.

 

 

Bereits zu Beginn der Dekade war klar, dass sich Hollywood in puncto Franchisen auf altbewährtes verlassen würde. Nachdem die Gerüchte über eine Verfilmung von J.R.R. Tolkiens "Der Hobbit" schon lange die Runde machten wurde die Katze schliesslich 2010 aus dem Sack gelassen.

 

Ursprünglich sollte Guillermo del Toro die Regie übernehmen, doch als sich die Umsetzung derart verzögerte verliess er schweren Herzens das Projekt. Und kein geringerer als Peter Jackson übernahm. 

 

Aus Tolkiens Kinderbuch entstanden schliesslich drei monumentale Filme, welche handlungstechnisch in Jacksons meisterhafte "Herr der Ringe"-Trilogie (2001-2003) überleiteten. Selbstredend stimmten auch die Besucherzahlen, wengleich sich diese nicht mit denen der ersten Trilogie messen liessen.

 

Ähnlich wie die "Hobbit"-Trilogie sollte auch "Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden" sind 2016 vom Ruhm eines berühmten Vorgängers zehren. Der Fantasystreifen erzählt von Zauberer Newt Scamander, der später auf den berühmten Zauberer Dumbledore treffen wird. Dieser wiederum war Mentor und Lehrmeister des berühmtesten Zauberers der Popkultur: Harry Potter.

 

Ebenso wie die berühmten "Harry Potter"-Filme (2001-2011) basiert auch "Fantastische Tierwesen" auf einer Geschichte von Autorin J.K. Rowling. Angeblich hat die Autorin genug Stoff für vier weitere Filme. Und nach dem Riesenerfolg des ersten Teils ist es nur eine Frage der Zeit bis mehr folgt.