Nachdem die Altersfreigabe festgesetzt und allfällige Änderungen am fertigen Film vorgenommen wurden, kann der Kinovertrieb beginnen.
Zum Vertrieb zählen nicht nur die Herstellung der Filmkopien, sondern auch das weltweite lancieren von Vorpremieren. An diesen meist exklusiv und glamourös inszenierten Vorpremieren in ausgewählten Filmtheatern und Städten sind meist Hauptdarsteller und Regisseur anwesend, um anschliessend nochmals kräftig die Werbetrommel zu rühren.
Eine Vorpremiere kann manchmal bereits erste Hinweise für den Erfolg bzw. die Qualität eines Films geben. Insbesondere der Mund-zu-Mund-Propaganda-Effekt ist nicht zu unterschätzen. Ein Film, der vom Publikum gut aufgenommen wird, lässt sich besser vermarkten als einer, der die Erwartungen nicht erfüllen kann. In letzterem Fall sind meist intensive Werbemassnahmen vonnöten um dem Film immerhin noch zu einem Erfolg zu machen.
Grundsätzlich gibt es verschiedene Arten, einen Film zu veröffentlichen. Am häufigsten sind jedoch das Limited- und Wide Release.
Im Limited Release wird ein Film in nur wenigen Kinos und mit relativ wenigen Kopien gestartet. Je nach Popularität des Streifens, wird die Anzahl der Kinos und der Kopien anschliessend schrittweise erhöht. Diese Form wird häufig bei ausländischen Filmen oder Independentproduktionen angewendet.
Obwohl Filme im Limited Release verstärkt auf positive Rezensionen und Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen sind, muss der grosse kommerzielle Erfolg deswegen nicht ausbleiben. Prominente Beispiele hierfür sind Miss Daisy und ihr Chauffeur (1989, 3 Kinos), Grüne Tomaten (1991, 5 Kinos), The Crying Game (1992, 6 Kinos), Schindler's Liste (1993, 25 Kinos), Good Will Hunting (1997, 7 Kinos), Shakespeare in Love (1998, 8 Kinos), Crouching Tiger, Hidden Dragon (2000, 16 Kinos), Million Dollar Baby (2004, 8 Kinos), Brokeback Mountain (2005, 5 Kinos), Gran Torino (2008, 6 Kinos), Slumdog Millionaire (2008, 10 Kinos), The King's Speech (2010, 4 Kinos), Silver Linings (2012, 16 Kinos), Zero Dark Thirty (2010, 5 Kinos) oder The Imitation Game (2014, 4 Kinos).
Das Gegenteil des Limited Release ist das Wide Release, auch Saturation Release genannt. Beim Wide Release startet ein Film in möglichst vielen Kinos und mit möglichst vielen Kopien gleichzeitig. Dies hat den Vorteil, dass innert kürzester Zeit sehr viel Geld eingespielt werden kann und dieses Geld auch wieder schnell zum Studio zurückfliesst.
Insbesondere die grossen Blockbuster werden nach diesem Prinzip veröffentlicht. So startete z.B. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 2 (2011) in 4'375 Kinos und spielte allein am Eröffnungswochenende die damalige Rekordsumme von 169 Mio. $ ein.
Selbstredend sind bei der Veröffentlichung im Wide Release-Verfahren auch die Werbekosten entsprechend hoch. Der hohe Verbreitungsgrad in den Kinos sorgt jedoch auch dafür, dass ein Film im Falle negativer Reaktionen seine Verluste zumindest teilweise minimieren kann.
So spielte z.B. Ang Lees 137 Mio. $ teure Comicverfilmung Hulk (2003) allein am Premierenwochenende 62 Mio. $ in über 3'600 Kinos ein. Als jedoch die Verrisse seitens der Fans und Kritiker nicht mehr zu überhören waren, stürzten die Umsätze bereits am zweiten Wochenende in den Keller. Dennoch dürfte Universal am Ende schliesslich mit einem blauen Auge davongekommen sein, da in den ersten Wochen eines Filmlaufs bekanntlich die höchsten Verleiheinnahmen erzielt werden.