Die Finanzierung - Ohne Moos nix los


Das Drehbuch ist geschrieben, die Ampel steht auf grün. Doch bevor so richtig aufs Gaspedal gedrückt werden kann muss noch das wichtigste geklärt werden: die Finanzierung...

Natürlich nützt das beste Drehbuch nichts, wenn keine finanziellen Mittel zu dessen Umsetzung vorhanden sind. Deshalb folgt bereits in einem frühen Stadium eine erste Einschätzung der zu erwartenden Produktionskosten. Natürlich spielt nicht nur die Geschichte als solches eine grosse Rolle, sondern auch, ob allenfalls ein Star dafür verpflichtet werden kann. In solch einem Falle können die Produktionskosten zwar rapide ansteigen, jedoch ist auch die Aussicht auf Gewinn in der Regel um einiges höher.

 

Bezüglich der Form der Finanzierung gibt es zahlreiche Möglichkeiten. So kann z.B. eines der sogenannten Major Studios als alleiniger oder teilweiser Geldgeber fungieren, jedoch können sich auch mehrere verschiedene Inverstoren zusammentun z.B. in Form einer Kommanditgesellschaft. Die letztgenannte Variante ist besonders bei Low-Budget- und Independent-Produktionen beliebt, da die verschiedenen Geldgeber jeweils meist nur mit dem effektiv in die Produktion gesteckten Geld haften.

 

Wenn ein Produzent einen Film vollständig im Alleingang finanzieren will, ist es von grosser Wichtigkeit, dass er über eine Fertigstellungsgarantie verfügt. Diese garantiert im Falle einer unvorhersehbaren Budgetüberschreitung die Fertigstellung der Produktion.

 

Da das Filmgeschäft eine der risikoreichsten Branchen überhaupt ist, geschieht es nicht selten, dass sich zwei Major Studios verbünden, um gemeinsam eine Projekt zu verwirklichen. So schlossen sich zum Beispiel die Paramount und die 20th Century Fox zusammen um James Camerons 200 Mio. $ teure Megaproduktion Titanic (1997) umzusetzen. 

 

Bei solchen Zusammenschlüssen ist es dann üblich, dass die Verleihrechte in Inland und Ausland aufgeteilt werden. So vertrieb die Paramount "Titanic" auf dem einheimischen US-Markt, während die Fox den Film in den restlichen Teilen der Welt vertrieb. Die Gewinne aus dem Verleih flossen dann in die Kasse des jeweiligen Studios. Natürlich gelten die Aufteilung der Rechte auch für die weiteren Verwertungsstufen (DVD, Pay-TV, etc.).

Gemeinsam gehts besser: James Camerons Megaproduktion "Titanic" (1997) wurde von der 20th Century Fox und Paramount gemeinsam gestemmt
Gemeinsam gehts besser: James Camerons Megaproduktion "Titanic" (1997) wurde von der 20th Century Fox und Paramount gemeinsam gestemmt

 

Ähnlich wie "Titanic" wurde auch das Budget von "Terminator 3 - Rebellion der Maschinen" (2003) auf die Beine gestellt. So steuerten u.a. die Warner Bros., Sony Entertainment sowie der japanische Toho-Towa-Konzern stattliche Summen zu der 187 Mio. $ teuren Produktion bei und erhielten jeweils die Verleihrechte für den einheimischen (Warner), den japanischen (Toho-Towa) sowie den restlichen Markt (Sony). Alle drei Hauptinvestoren machten ihre Teilnahme jedoch vom Mitwirken des Hauptdarstellers Arnold Schwarzenegger abhängig. Ein jüngeres Beispiel für einen Studiozusammenschluss ist "Godzilla" (2014), bei welchem das Budget von 160 Mio. $ zu 75% von Legendary Pictures und zu 25% von Warner Bros. getragen wurde. 

 

Neben diesen Studiobündnissen ist eine weitere Form der Filmfinanzierung diejenige durch steuerliche Vergünstigungen. Dies ist mitunter einer der Gründe, warum zahlreiche Hollywood-Produktionen in Kanada (inbesondere in und um Vancouver) gedreht werden. Bei diesen steuerlichen Vergünstigungen handelt es sich aber um eine indirekte Form der Filmfinanzierung und die Studios können natürlich nicht immer darauf zurückgreifen. Wann immer möglich tun sie es jedoch.

 

Ein Film kann auch massgeblich durch Werbegelder finanziert werden wobei vor allem dem Product Placement eine grosse Bedeutung zukommt. Insbesondere die kostenintensiven James-Bond-Filme machen von dieser Art der Finanzierung Gebrauch. So steuerten für Pierce Brosnans letzten 007-Auftritt ("Stirb an einem anderen Tag", 2002) über 20 verschiedene Marken insgesamt rund 120 Mio. $ zur Produktion bei. Das Budget des Films betrug 142 Mio. $. Natürlich ist aber nicht jeder Film für diese Art der (Teil-)Finanzierung geeignet.

 

Nebst den steuerlichen Vergünstigungen und den Werbgeldern kann ein Studio bzw. Produzent auch auf Bankkredite und - falls vorhanden - Einnahmen früherer Filme zurückgreifen. Ein gutes Beispiel für Letzteres ist George Lucas Krieg der Sterne-Prequel-Trilogie, die mehrheitlich aus den Einnahmen der früheren Filme sowie deren Merchandisingeinkünfte entstand. 

 

Eine weitere spezielle Form der Finanzierung ist diejenige über den Vorverkauf von Verleih- und Merchandisingrechten. Diese Form ist jedoch stark davon abhängig ob bereits namhafte Schauspieler, Regisseure oder Drehbuchautoren an dem Film beteiligt sind. Auch ist hier natürlich entscheidend, wie gut sich ein Film dafür überhaupt eignet. Während z.B. für Filme aus dem Hause Marvel sicher genügend Merchandising vertreiben lässt würde dies für einen anspruchsvollen Independent-Film sicher nicht funktionieren.

 

Abschliessend muss natürlich betont werden, dass die verschiedenen genannten Finanzierungsmöglichkeiten in der Praxis in der Regel als Mischform auftreten. So kann z.B. ein Film u.a. mit Studio- und Werbegeldern und zusätzlich mit Steuervergünstigungen sowie Vorverkaufsrechten finanziert werden. Die vielen Möglichkeiten schliessen einander also keinesfalls aus.

 

Nebst der eigentlichen Finanzierung ist es auch von grosser Wichtigkeit, dass der Film beworben und vertrieben werden kann. Dies geschieht in der Regel durch eines der grossen Major-Studios, jedoch ist es natürlich nicht ausgeschlossen, dass ein unabhängiger Verleiher engagiert wird. Die Major-Studios verfügen jedoch über das meiste Kapital und sind deshalb auch im Verleih- und Marketingsektor in der Filmbranche marktführend.

 

Je mehr ein Produzent einen Film ohne Hilfe eines der Major-Studios produzieren konnte, umso besser ist seine Verhandlungsposition bezüglich Verleih und Verkauf. Wenn er z.B. bereits einen fertigen Film vorweisen kann, wird er im besten Falle das Studio zur Übernahme der Herstellungskosten (natürlich inkl. einer prozentualen Beteiligung am zu erwartenden Gewinn) bewegen können.

 

Er kann es jedoch auch einfach nur mit der Vermarktung und/oder dem Verleih seiner Produktion beauftragen. In solch einem Falle wird das Studio natürlich weniger Gewinn machen, da es nicht als Hersteller des Films fungiert. Wie bereits bei der grundlgegenden Finanzierung eines Filmes, gibt es natürlich auch beim Verkauf- und Verleih viele Möglichkeiten und diese Aufgabe kann sowohl im In- als auch im Ausland je nach Produktion von verschiedenen Parteien übernommen werden.


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