Die Ausgaben - Für eine Handvoll Dollar


Wie jedes andere Unternehmen müssen auch die Filmstudios Aufwand betreiben um ihre Produkte auf den Markt zu bringen. Und wie bei jedem anderen Unternehmen beschränkt sich der Aufwand nicht allein auf die Herstellung des Produkts sondern auch auf dessen Vertrieb und Promotion. In der Regel fallen vor, während und nach einer Filmproduktion folgende Kosten an:

 

  • Produktionskosten
  • Stargehälter und Gewinnbeteiligungen
  • Kosten für Film- und DVD-Kopien
  • Werbe- und Publicitykosten (Marketing)
  • Fracht- und Transportkosten
  • Steuer- und Zollabgaben (von Land zu Land variabel)
  • Zinskosten
  • Inkassokosten (z.B. die Kontrolle der Einspielberichte der Kinobetreiber)
  • Zahlungen an Verbände und Pensionskassen

 

Natürlich ist diese Aufzählung nicht abschliessend. Die Auflistung enthält z.B. nicht die indirekten Kosten, die im Falle einer Gewinnbeteiligung anfallen können.  Auch sind die durch allfällige Währungsschwankungen verursachten zusätzlichen Kosten nicht aufgeführt.

 

Die wichtigsten Ausgabeposten werden nachfolgend genauer unter die Lupe genommen.

 

Die Produktionskosten


Unter die Produktionskosten fallen natürlich nicht nur die Ausgaben während des eigentlichen Filmdrehs sondern auch die diversen Kosten aus der Vor- und Nachbearbeitungen. Im Fachjargon werden diese Kosten treffend als Negativkosten bzw. negative costs bezeichnet. Diese beinhalten also sämtliche Kosten, welche bis zum ersten fertigen Filmnegativ entstanden sind. Kosten für Filmkopien und Werbung sind hier also nicht enthalten. Die Produktionskosten enthalten u.a. also folgende Ausgaben:

 

  • Kosten für die Ausarbeitung des Drehbuchs
  • Vorauszahlungen an kreative Talente
  • Erste Zinskosten
  • Kosten für die Drehvorbereitungen (Setbau, diverse Reservationen, technisches Equipment, etc.)
  • Kosten während der Dreharbeiten
  • Kosten für die Nachbearbeitung (Schnitt, Filmentwicklung, Tonmischung, etc.)

 

In der Öffentlichkeit sind die Produktionskosten neben den Box-Office-Einnahmen die am häufigsten publizierten Zahlen im Filmbusiness. Wenn also geschrieben wird, dass ein Film 200 Mio. $ kostete, so sind in der Regel diese Kosten gemeint. Die Studios halten sich jedoch meist bedeckt bezüglich der effektiven Ausgaben und so können die öffentlichen Angaben auch stark variieren. Als grober Richtwert reichen sie jedoch meist aus. Meist kann davon ausgegangen werden, dass die effektiven Kosten höher sind.

Die Werbe- und Publicitykosten (Marketing)


Neben den Kosten für die Produktion eines Filmes sind mitunter die Werbekosten der grösste Ausgabeposten. Bei Independent-Filmen oder Horrorfilmen können diese auch oft ein mehrfaches der eigentlichen Herstellungskosten betragen. Da Horrorfilme in der Regel relativ günstig produziert werden können stecken die Studios viel Geld in die Werbung. So kostete "The Nun" (2018) z.B. nur 22 Mio. $, das weltweite Werbebudget betrug aber gemäss zuverlässigen Schätzungen rund 90 Mio. $.

 

Die Werbeplattformen sind dabei sehr unterschiedlich und können sich auf die folgenden "Bereiche" verteilen:

 

  • Internet
  • Zeitschriften
  • Fernsehen
  • Werbeplakate

 

Der Erfolg der unterschiedlichen Werbeplattformen kann dabei von Land zu Land unterschiedlich sein. In Amerika ist insbesondere die Werbung im TV effektiv. Selbstredend sind in den werberelevanten Zeitfenstern (z.B. der Prime Time) auch die Kosten pro Sekunde besonders hoch. Beliebt ist in den USA auch das Werbefenster während des alljährlichen Superbowls. Für diese hart umkämpfte Werbezeit langen die Studios daher tief in die Taschen.

 

Die Werbe- und Publicitykosten fallen natürlich auch noch nach der Kinoauswertung an und betreffen auch den Video- und Fernsehmarkt. Am höchsten sind die Werbekosten aber nach wie vor bei der Kinoauswertung. Dort wird der "Wert" eines Filmes nämlich unwiderruflich festgelegt, weshalb die Studios hier auch keine Kosten und Mühen scheuen. Mitunter auch ein Grund, weshalb nur die wenigsten Filme bereits bei der Kinoauswertung schwarze Zahlen schreiben. In der Regel gelingt dies nur ein paar Dutzend Produktionen.

Die Vertriebskosten

Ein Film muss nicht nur beworben sondern auch verliehen werden. Die Vertriebskosten beeinhalten dabei insbesondere die Lieferung des Films an die Kinos. Je mehr Kopien für einen Filmstart benötigt werden umso höher fallen die Kosten aus. Ein Massenstart, wie er heute für die grossen Blockbuster üblich ist, ist also eine kostspielige Angelegenheit. Hier fallen natürlich die Fracht- und Transportkosten sowie die Kosten der Filmkopien stark ins Gewicht. Die Kosten pro Filmkopie können dabei rund 1'500 $ betragen. Rechnet man diese Summe auf einen Massenstart in 4'000 Kinos hoch ist das kein Kleingeld.

 

Die Vertriebskosten fallen natürlich nicht nur bei der Kinoauswertung sondern auch bei der Verwertung im Home-Video-Sektor an. Die Kosten sind jedoch um ein vielfaches geringer als bei der Kinoauswertung, da hier sowohl die Herstellung des Medium (DVD, Blu-ray) als auch dessen Transport weniger aufwändig sind. Auch können natürlich pro Transport mehr Einheiten vertrieben werden.

 

Stargehälter und Gewinnbeteiligungen

Diese Kosten können enorm sein und dürfen nicht unterschätzt werden. Zu den Stargehältern zählen hier natürlich auch die Gagen für bekannte Regisseure oder Drehbuchautoren. Da ein oder mehrere bekannte Namen in den Augen der Studios die finanziellen Perspektiven für eine Produktion erheblich verbessern sind sie auch gewillt, hohe Summen zu investieren.

 

Die Gehälter sind aber nicht der einzige hohe Ausgabeposten in diesem Bereich. So können z.B. einige privilegierte Stars auch lukrative Gewinnbeteiligungen aushandeln. Dabei werden sie häufig an den Verleiheinnahmen beteiligt und zwar noch bevor die Werbeausgaben, Verleihgebühren oder sonstige Dinge abgezogen werden. Solche Beteiligungen können dann den Gewinn für die Studios erheblich mindern und dazu führen, dass ein Film trotz hoher Einnahmen buchhalterisch keine Profite aufweist. Zumindest jedoch verzögern sie das erreichen der Gewinnschwelle enorm.

 

Kreative Talente können also trotz ihrer offensichtlichen Vorteile als Publikumsmagnete hohe Kosten verursachen. Häufig sind sie die Investitionen jedoch Wert und es muss fairerweise auch bemerkt werden, dass die lukrativen Gewinnbeteiligungen nur wenigen vorbehalten sind. Die meisten Talente erhalten eine fixe Gage.