Schon seit seiner Geburtsstunde war das Medium Film auf den internationalen Markt ausgerichtet. Daran hat sich bis heute wenig geändert - im Gegenteil. Seit Mitte der 2000er Jahre hat
Hollywood einen neuen Weltmarkt erobert: China...
Hollywoods Filmindustrie verstand es schon immer, möglichst internationale Produkte zu gestalten. Schon seit der Machtübernahme der amerikanischen Filmindustrie in den 1920er Jahren wurden Filme auch im Ausland mit grossem Erfolg vermarktet.
Dabei setzte die Filmindustrie stark auf internationale Gesichter und importierte massenhaft Talente aus dem Ausland. Greta Garbo, Marlene Dietrich, Emil Jannings, Peter Lorre, Johnny Weismüller oder Bela Lugosi waren nur einige Stars mit Wurzeln ausserhalb Amerikas.
Trotz dieses Erfolgsrezepts war der "Weltmarkt", der damals nur aus einigen wenigen Ländern bestand, immer wieder starken Schwankungen unterworfen. So war in den Kriegsjahren von 1939 - 1945 der so wichtige europäische Filmmarkt faktisch nicht mehr existent. Nach Kriegsende gewann Hollywood diesen zwar wieder, musst jedoch bis zur Erschliessung des russischen Markts aufgrund des Kalten Krieges über vier Jahrzehnte warten.
Heute sieht alles anders aus. Hollywood hat auf allen Kontinenten Fuss gefasst und ist seine Vormachtstellung kontinuierlich am ausbauen. In dieser Hinsicht waren vor allem die 1980er und 1990er Jahre prägend. In diesen beiden Jahrzehnten wuchs der Anteil des Auslandmarkts am Gesamtumsatz von 30% auf über 60%. Ausserdem investierten in diesen beiden Dekaden eine beispiellose Anzahl ausländischer Investoren in die amerikanische Filmindustrie.
Heute ist Hollywood eine durch und durch internationale Branche. Die Vielfalt wiederspiegelt sich dabei nicht nur vor sondern auch hinter der Kamera. Auch gibt es nicht mehr den klassischen amerikanischen Film obwohl in den Medien immer noch oft davon geredet wird. Häufig verlässt sich Hollywood nämlich auf Gelder aus der ganzen Welt und auch die klassischen Filmstudios sind längst in internationale Konzerne eingebunden.
Trotz dieser internationalen Orientierung hat auch jeder Filmmarkt seine Eigenheiten. Auch ist nicht jeder Markt für die Filmindustrie finanziell von gleicher Bedeutung. Die wichtigsten nationalen Märkte werden nachfolgend näher erläutert.
Grossbritanien war seit jeher einer der wichtigsten Märkte für die amerikanischen Filmmarkt. Dies ist vor allem auch der gemeinsamen englischen Sprache zu verdanken. Dies ist jedoch nicht die einzige Gemeinsamkeit. Auch was das Konsumverhalten bezüglich Kino, Home Video und Fernsehe betrifft bestehen starke Übereinstimmungen.
80% der verkauften Kinotickets gehen auf das Konto von US-Produktionen und weitere 18% betreffen einheimische Produktionen. Europäische Produktionen haben es im Vereinigten Köngireich schwierig - eine weitere markante Parallele zum US-Markt. Ausserdem haben sämtliche der grossen US-Filmstudios Büros in London.
Nach Deutschland ist Grossbritannien der zweitgrösste Filmmarkt in Europa. Mehr als die Hälfte der nationalen Leinwände befinden sich in Multiplex-Kinos. Im Gegensatz zu den USA behalten die britsichen Kinos jedoch rund 70% der Kinokasseneinnahmen während jenseits des grossen Teichs nur 50% beim Kinotheater verbleiben. Für kleinere Verleiher ist dieser Filmmarkt deshalb eine grosse Herausforderung, da die Werbe- und Kopienkosten enorm hoch sind.
Das Ursprungsland des Kinos hat eine enorm starke nationale Filmproduktion. Regelmässig erreichen inländische Filme jährlich einen Marktanteil von zwischen 35 und 45% und können problemlos mit Hollywoods Blockbustern mithalten. Dies ist nicht zuletzt einer der höchsten Pro-Kopf-Kinobesucher-Quote weltweit zu verdanken. Seit 1990 lag diese im Durchschnitt bei beachtlichen 2,7 Kinobesuchen. In vielen industrialisierten Ländern liegt die Quote meist deutlich unter 2,0. Frankreich nimmt dadurch auf dem europäischen Filmmarkt eine Sonderstellung ein.
Frankreicht stellt in vielerlei Hinsicht das Epizentrum der europäischen Filmindustrie dar. In Frankreich gilt das Medium Film auch offiziell als Kunstform, weshalb dieses auch national stark gefördert wird. Aus diesem Grund sind auch zahlreiche Geschäftsdaten öffentlich zugänglich wie z.B. die Produktions- und Werbekosten, die Anzahl der eingesetzten Filmkopien, die Besucherzahlen, die Anzahl verkauften Videoeinheiten und vieles mehr. Der Markt ist folglich für die Öffentlichkeit enorm transparent. Ähnliches ist nur noch in Deutschland, der Schweiz, Österreich und einigen skandinavischen Ländern der Fall.
Trotz der starken nationalen Filmindustrie ist Frankreich lukrativ für Hollywood. Der Anteil der Verleiher an den Kinokasseneinnahmen liegt mit durchschnittlich 50% auf dem Niveau der USA. Ausserdem sind auch in Frankreich die US-Produktionen trotz der starken einheimischen Konkurrenz marktführend.
Italien hat ähnlich wie Frankreich eine robuste nationale Filmindustrie und ist auch offen für europäische Produktionen. Der Anteil der innländischen Produktionen kann in einem guten Jahr bis zu 25% oder mehr betragen. Trotzdem dominieren auch in Italien amerikanische Produktionen an den Kinokassen.
Aufgrund des 50/50-Splits zwischen Kinobetreibern und Verleihern ist Italien für Hollywood sehr lukrativ. Kleinere Verleiher haben jedoch aufgrund der eher hohen Synchronisations- und Werbekosten einen schweren Stand.
Deutschland ist in Europa einer der grössten und wichtigsten Absatzmärkte für Hollywood. Der Marktanteil der inländischen Produktionen variiert zwischen 10 und 20% und fällt damit relativ moderat aus.
Deutsche Filmverleiher sind nicht nur in Deutschland selbst aktiv sondern auch in der Schweiz, in Österreich und dem italienischen Südtirol. Da diese Länder bzw. Landesteile allesamt mehrheitlich deutschsprachig sind fällt die Vermarktung einfacher und es sind keine zusätzlichen Synchronisationen nötig. Zu den einflussreichsten deutschen Verleiher zählen u.a. Constantin, Senator, Splendid und Tobis-StudioCanal.
Der Anteil der Verleiher an den Kinokasseneinnahmen fällt auch in Deutschland mit durchschnittlich 45% relativ hoch aus. Damit liegt Deutschland auf dem Niveau der angrenzenden Nachabarländer sowie der USA.
Wenig überraschend ist auch Down Under einer der umsatzmässig grössten Filmmärkte für Hollywood.
Innerhalb von nur 15 Jahren entwickelte sich China zum umsatzmässig grössten ausländischen Filmmarkt für Hollywood. Obwohl die Verleiher nur zwischen 10 und 25% der Kinokasseneinnahmen erhalten, lohnt sich die Vermarktung in China. Denn für diesen gigantischen Markt werden nach wie vor hohe Wachstumsraten prognostiziert.
Trotz dieser Euphorie ist aber nicht auszuschliessen, dass bei Erstarkung der einheimischen chinesischen Märkte eine ähnliche Situation wie in Indien entsteht. Dort ist zwar gemessen an der Population des Landes ein riesiger Filmmarkt vorhanden, allerdings ist die einheimische Filmproduktion derart stark, dass Hollywoodfilme nach wie vor eher selten in die Toppositionen vordringen können.
Behindernd für ein Wachstum könnten sich auch die nach wie vor geltenden Kontingentsbestimmungen auswirken. Denn pro Jahr werden - gleich wie in Japan - nur eine bestimmte Anzahl ausländischer Filme für den einheimischen Markt freigegeben. Doch Hollywood hat auch für dieses Problem eine Lösung: Koproduktionen mit chinesichen Filmproduktionsgesellschaften. So entstand u.a. auch der Kassenschlager "The Meg" (2017), der allein auf dem chinesichen Markt 153 Mio. $ einspielte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Japan innert kürzester Zeit für Hollywood zum wichtigsten asiatischen Filmmarkt. Mittlerweile wurde die pazifische Inselnation jedoch vom Festlandriesen China überholt.
Obwohl Japan im Verhältnis zur Population nur wenig Leinwände hat und auch der Pro-Kopf-Kinobesuch relativ gering ausfällt, ist der Markt für Hollywood dennoch enorm lukrativ. Einer der Hauptgründe ist der hohe Anteil der Verleiher an den Kinokasseneinnahmen. Dieser fällt ähnlich hoch wie auf dem US-Markt - im statistischen Durchschnitt rund 50% - aus.
Eine Besonderheit in Japan ist, dass auf über einem Drittel der Leinwände exklusiv inländischen Produktionen gezeigt werden. Den Rest teilen sich ausländische Produktionen, wobei die amerikanischen - wie fast überall auf der Welt - den Löwenanteil ausmachen.
Sehr populär sind in Japan Arthouse- und europäische Filme. Diese werden hauptsächlich vom jungen weiblichen Kinopublikum bevorzugt, u.a. auch deshalb, weil sich die inländischen Produktionen primär an das männliche Publikum richten.
Über 30% der Kinoticketverkäufe machen die inländischen Produktionen aus, von welchen vor allem Filme aus dem Krimi-, Horror- und Animationsgenre besonders gut abschneiden. Damit hat Japan eine blühende und äusserst heimische erfolgreiche Filmindustrie.
Quelle:
"Theatrical Market Statistics 2016", MPAA (Motion Picture Association of America)
Die wichtigsten und grössten Märkte werden nachfolgend genauer angeschaut.